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Andreas Hille – 35 Jahre Stadthallen Deggendorf

Die komplette Folge erscheint am 20. September 2026 um 19:00 Uhr.

Andreas Hille wollte eigentlich Forstwirtschaft studieren. Der Numerus clausus kam dazwischen, sein Fachabitur reichte nicht. Also überbrückte er: erster Angestellter bei der Autovermietung Meier, dann Landratsamt, Post, Bau. Danach Landbau-Studium – bis zum vierten Semester.

Dann rief ein Freund an. Franz Eckl, damals Wirtschaftsförderer im Landratsamt, hatte ein Problem: eine nagelneue Lichtsteueranlage mit englischem Handbuch, die niemand bedienen konnte. In wenigen Tagen sollte eine Produktion der Theateragentur Landgraf über die Bühne gehen. Hille sagte zu, weil man Freunden hilft.

Es wurden vierzig Stunden im Regieraum. 56 Lichtstimmungen, jede einzeln programmiert, jeder Scheinwerfer, jede Vorlaufzeit. Draußen warteten tausend Leute, die neugierig auf die neue Halle waren. Um neun Uhr abends war er fertig. Es funktionierte. Die Nottaste, die er sich vorsichtshalber gelegt hatte, brauchte er nicht.

Danach fragte Eckl, ob er nicht bleiben wolle.

Vom Stühleschleppen zur Geschäftsführung

Die Stadthalle Deggendorf öffnete am 28. Dezember 1984. Am 5. Januar 1985 war Hille dabei – als Techniker. Stühle schleppen, Bühne auf, Bühne ab, Beleuchtungsproben. „Ich war everywhere“, sagt er über diese Jahre.

Es blieb nicht dabei. 2007 bekam er die alleinzeichnende Prokura, wenig später die Geschäftsführung. Die Begründung des damaligen Landrats war knapp: Einen Betriebswirt habe man schon gehabt, da könne Land- und Forstwirtschaft nichts schlechter machen.

Was ihn dabei antrieb, war Neugier. Lüftungsanlage, Heizung, Hebebühne, Unfallverhütungsvorschriften – er wollte wissen, wie alles funktioniert. Man habe ihn dafür halb ausgelacht, erzählt er: ein Geschäftsführer, der sich für Hausmeisterangelegenheiten interessiert. Genau dieses Wissen habe später aber Entscheidungen möglich gemacht, die sonst nicht auf dem Tisch gelegen hätten.

Eine Halle rechnet sich nicht. Und muss es auch nicht.

Zur Frage, ob eine kommunale Veranstaltungshalle schwarze Zahlen schreiben kann, ist Hille eindeutig: Nein. Nicht in Deggendorf und nirgendwo sonst. Das sei ein bundesweites Phänomen, und Städte hätten regelmäßig bei ihm angefragt, um die Zahlen zu vergleichen.

Also wurde umgesteuert. Die eigene Gastronomie brachte Verluste und wurde verpachtet. Und das Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdveranstaltungen drehte sich: Anfangs trug die Gesellschaft das Risiko selbst, später übernahmen das die Tourneeveranstalter. Die hatten Zehntausende Plakate vorgedruckt, eigene Plakatierdienste, Radiokooperationen – Vorhaltekosten, die eine einzelne Halle nie stemmen konnte.

Dazu kam die Konkurrenz: Passau, Straubing, überall neue und größere Hallen. Das war das eigentliche Argument für die zweite Halle. Mit ihr kamen Rigs an der Decke, fliegende Technik, Messen und Kongresse – und Gäste, die im ganzen Landkreis untergebracht werden mussten.

Nana Mouskouri, ein Whisky-Test und Haindling ohne Karten

Rund 200 Veranstaltungen im Jahr, über die Jahrzehnte Tausende. Hille war bei fast allen persönlich vor Ort: vor Beginn hinter der Bühne, in der Pause im Foyer, am Ende beim Rundgang, ob irgendwo eine Stolperstelle ist. Bei Schneefall setzte er sich schon mal selbst auf den Bulldog – im Anzug, und der Ober vom Nachbarhotel brachte ihm den Sekt auf dem Silbertablett.

Die Künstler begrüßte er grundsätzlich selbst. Ellen Schwiers habe ihm mal gesagt, sie brauche keinen Blumenstrauß, sondern jemanden, der sich vorstellt und nicht grantig schaut. Truck Stop bestellte einen sündteuren Whisky – und eröffneten ihm nach der Beschaffung, das sei nur ein Test gewesen, ob er funktioniert. Trinken würden sie den gar nicht.

Und Haindling, damals noch nicht groß, stand vor der eigenen Veranstaltung ohne Karten am Einlass. Die Ordnerin ließ sie nicht rein. Behaupten könne das ja jeder.

Was danach kam

Heute ist Hille Rentner – und wieder bei der Autovermietung Meier, dort, wo er als junger Mann angefangen hat. Dazu der Garten, der Bayerische Wald, das Schrauben. Einen Alfa Romeo 2000 Fastback hat er einmal komplett zerlegt und wieder zusammengebaut, Laufbuchsen, Dichtungen, Getriebe.

Sein Sohn ist Solobassist am Staatstheater am Gärtnerplatz in München. Über den redet er besonders gern.

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