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Florian Jung – „Ich kann nichts verbieten und nichts erlauben. Aber ich kann vermitteln.“

Die komplette Folge erscheint am 18. Oktober 2026 um 19:00 Uhr.

Es gibt Berufe, von denen man den Namen kennt und sonst nichts. Kreisheimatpfleger ist so einer. Florian Jung macht den Job seit 2009 im Landkreis Deggendorf – seit zwei Jahren hauptamtlich, dazu als Kulturreferent am Landratsamt.

Angefangen hat er woanders. Geboren 1973, aufgewachsen in Deggendorf und Metten, Gymnasium in Metten, ein Jahr Marine, dann Lehramt für Realschulen in Passau und Wien. Fächer: Deutsch und Geschichte. Examen 1999, danach Realschullehrer an verschiedenen Schulen – bis 2024.

Dazwischen liegen fünfzehn Jahre Doppelleben. 2009 wurde er Kreisheimatpfleger, zunächst neben dem vollen Deputat. Dann reduzierte er die Unterrichtsstunden, baute am Landratsamt auf, bis am Schluss nur noch zwölf Stunden Schule übrig waren. Vor zwei Jahren hörte er als Lehrer ganz auf.

Was ein Kreisheimatpfleger eigentlich tut

Seine Aufgabe ist Baudenkmalpflege – nicht Bodendenkmalpflege, dafür gibt es den Kreisarchäologen, und nicht Volksmusik oder Trachten, dafür gibt es andere Zuständige. Und seine eigentliche Arbeit beschreibt er mit einem Wort: vermitteln.

Zwischen wem? Zwischen dem Bauern, dem ein Denkmal gehört. Der Bauabteilung im Landratsamt. Dem Landesamt für Denkmalpflege. Architekten, Stiftungen, Fördergebern, bei Kirchen den Diözesen Passau und Regensburg. Lauter Leute mit unterschiedlichen Interessen, und seine Aufgabe ist, sie alle unter einen Hut zu bringen.

Befugnisse hat er dabei keine. Er kann nichts genehmigen, nichts untersagen. Was er kann: überzeugen, warnen, zu den richtigen Leuten bringen.

Wenn jemand einen alten Bauernhof kauft

Hier wird das Gespräch praktisch. Der beste Zeitpunkt, mit ihm zu reden, ist vor dem Kauf. Dann gibt es ein Instrument, das Jung ausdrücklich empfiehlt: das Vorprojekt. Schadenskartierung, Aufmaß, Kostenschätzung, Archivrecherche. Kostet je nach Objekt zehn- bis zwanzigtausend Euro – wird aber mit siebzig bis achtzig Prozent bezuschusst. Und es kann sogar vom Verkäufer beauftragt werden, so dass der Käufer von vornherein weiß, worauf er sich einlässt.

Wer stattdessen einfach loslegt, schießt sich ins eigene Knie: Baustopp, keine Zuschüsse, keine Steuerabschreibung – und womöglich eine Ausführung, die statisch nicht hält.

Denkmal ist ein Gebäude übrigens dann, wenn es aus einer abgeschlossenen Epoche stammt. Die meisten im Landkreis sind vor 1920 entstanden. Aber das Kriterium trifft auch auf jüngere Bauten zu – das Münchner Olympiastadion erfüllt es, und über die Universität Regensburg wurde diskutiert.

Die Frage, die auf uns zukommt

Der stärkste Teil des Gesprächs dreht sich um Kirchen. Jung rechnet damit, dass die Säkularisierung weitergeht, die Kirchensteuereinnahmen sinken und die Töpfe irgendwann fast leer sind. Gleichzeitig stehen die Gebäude weiter in der Landschaft – manche mit ein oder zwei Gottesdiensten im Jahr, wenn überhaupt.

Was macht man damit? Bei einem modernen Bau wie der evangelischen Kirche in Zwiesel, Baujahr um 1960, lässt sich eine Umnutzung zu Wohnzwecken relativ unproblematisch denken. Bei einer Barockkirche mit vollständiger Ausstattung wird es schwierig.

Jung hält das für eine der größten Herausforderungen der Denkmalpflege in den nächsten Jahrzehnten – und für ein Thema, das in der Bevölkerung noch kaum angekommen ist. Interessant findet er dabei einen Befund: Auch Menschen, die nie in einen Gottesdienst gehen und mit der Institution nichts anfangen können, hängen an diesen Gebäuden. Im norddeutschen Raum, wo Kirchen bereits abgebrochen werden, regt sich der Widerstand oft genau bei denen.

Heimat, Granit und ein Tierbildhauer

Was Heimat für ihn bedeutet, beantwortet er dreiteilig: die Kulturlandschaft, die Gebäude, die Menschen. Der Reiz liegt im Erkennen von Zusammenhängen. Fährt er durch Winzer, denkt er an die Korbflechter. In Metten an die Granitbrüche und an das Schicksal derer, die sich damit abgeplagt haben. In Plattling an die Eisenbahn.

Dazu kommt die bildende Kunst. Jung hat selbst gesammelt – „mittlerweile bin ich weitgehend clean“ – und war für die Kunstsammlung in Hengersberg zuständig. Sein Favorit: Heinz Theuerjahr, Gründungsmitglied der Donau-Wald-Gruppe. Was ihn daran fasziniert, ist die Reduktion: Theuerjahr beherrschte die naturalistische Darstellung in Perfektion, und genau deshalb konnte er abstrahieren, bis nur noch das Wesentliche übrig war.

Wofür er sich einsetzt

Was er aus dem Lehrerberuf mitgenommen hat, ist das Weitergeben. Publikationen in den Deggendorfer Geschichtsblättern, in der bayernweiten „Schöneren Heimat“, im Mettener Heft. Vorträge in den Gemeinden, zusammen mit dem Stadtheimatpfleger.

Und eine Haltung, die in diesem Gespräch mehrfach durchkommt: jedem auf Augenhöhe begegnen – dem Schlossbesitzer wie dem, bei dem es daheim ziemlich ausschaut. In Konflikten neutral bleiben. Verstehen wollen, warum jemand etwas nicht will. Wenn Jung sagt, worum es ihm geht, klingt das so: Brücken bauen. Gräben zuschütten. Etwas machen, zu dem alle kommen können, unabhängig davon, was sie sonst voneinander halten.

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