Florian Reiter – Reiter Fliesen Handels GmbH
Was steckt hinter einem Familienbetrieb, der seit über 50 Jahren besteht? Florian Reiter, Geschäftsführer der Reiter Fliesen Handels GmbH in Deggendorf, macht den Auftakt von „Mensch Eller!“.
Angefangen hat alles 1963: Karl Heinz Reiter gründet in Osterhofen einen Verlegebetrieb. Zehn Jahre später der Umzug nach Deggendorf, wo neben der Verlegung ein eigener Fliesenhandel entsteht. 1999 legt Tochter Katrin die Meisterprüfung ab. Heute führt Florian Reiter das Unternehmen mit rund 1.500 m² Ausstellungsfläche und knapp 50 Mitarbeitern in Handel und Verlegung.
Was einen Familienbetrieb trägt
Wer einen Betrieb übernimmt, den die Eltern aufgebaut haben, übernimmt mehr als eine Firma. Im Gespräch geht es um genau das: „Wie kam die Entscheidung zustande, einzusteigen? Wie läuft die Zusammenarbeit mit Schwester und Mutter in der Geschäftsführung? Was hat er anders gemacht als der Vater? uvm.“
Handwerk, das man anfassen kann
Fliesen sind ein Produkt, bei dem sich Qualität erst nach Jahren zeigt.
Über Reiter Fliesen
Die Reiter Fliesen Handels GmbH sitzt Auf der Windschnur 4 in Deggendorf, auf der Rückseite des Hauptbahnhofs. Der Betrieb deckt Beratung, Handel und Verlegung aus einer Hand ab — für private Bauherren ebenso wie für gewerbliche Auftraggeber.
Ausschnitte aus dem Gespräch
Worüber wir gesprochen haben
00:00 — 60 Jahre Reiter Fliesen
Stefan Eller zu Gast bei Florian Reiter in Deggendorf. Der Betrieb besteht seit über 60 Jahren, seit rund 15 Jahren führen ihn Florian und seine Schwester Katrin in Eigenregie.
01:43 — Zwei Bereiche, zwei Zuständigkeiten
Katrin Reiter ist Fliesenlegermeisterin und verantwortet die Verlegeabteilung. Florian Reiter, gelernter Fliesenleger mit kaufmännischer Zusatzausbildung, kümmert sich um Einkauf, Handel und Ausstellung. Beide ergänzen sich — für ihn ein Grund des Erfolgs.
03:16 — Fünf Jahre Baustelle, 25 Jahre Ausstellung
Manchmal wird er wehmütig, wenn er den eigenen Fliesenlegern zuschaut. Was hilft: Die Ausstellung lässt sich immer wieder umgestalten, es wird nicht langweilig.
04:27 — Die Eltern im Hintergrund
Vor zwanzig Jahren gab es durchaus lautstarke Gespräche — im Familienbetrieb lädt man den Dampf eben zu Hause ab. Heute hat jeder seinen Bereich. Der Vater ist 84 und geht noch immer durch die Ausstellung, wenn Betriebsblindheit droht.
06:25 — Die dritte Generation steht bereit
Katrins Kinder, 21 und 24, wollen einsteigen. Der Neffe hat den Meisterbrief und arbeitet auf der Baustelle, die Nichte übernimmt Einteilung und Verwaltung in der Verlegeabteilung.
07:16 — Zwei Bonuskinder und eine neue Liebe
Florian Reiter spricht offen über die Trennung vor zwei Jahren, die kinderlose Ehe und die neue Partnerin mit zwei fast erwachsenen Kindern. Seit einem halben Jahr leben sie zusammen.
08:53 — Selbstständigkeit und Zeit
Montag bis Samstag im Büro. Was er lernen musste: sich die private Zeit bewusst zu nehmen. Seine Partnerin arbeitet ebenfalls viel — beide brauchen das.
10:30 — Wie man in den Betrieb hineinwächst
Die Frage „Willst du übernehmen?“ wurde nie gestellt. Man rutscht hinein, es ist Teil des Lebens. Die Eltern hätten ihm jede Freiheit gelassen; die Entscheidung fiel um die mittlere Reife, Abschlussjahrgang 1995.
11:52 — Chefsohn auf der eigenen Baustelle
Die Lehre absolvierte er im elterlichen Betrieb. Reiters Einschätzung: Als Chefsohn ist man entweder Lastesel oder wird verhätschelt — dazwischen gibt es wenig. Heute rät er der nächsten Generation, auch anderswo hineinzuschauen.
12:43 — Kaufmannslehre in München
Nach Fliesenlegerlehre und Bundeswehr kam der zweite Weg: kaufmännische Ausbildung beim bayerischen Fliesenhandel in München. Aus der Zeit sind Kontakte geblieben, die bis heute tragen.
15:02 — 50 Mitarbeiter
35 Fliesenleger, rund acht Leute in Handel und Buchhaltung, der Rest im Baustellenbüro.
15:31 — Kunden, die alle zwanzig Jahre wiederkommen
Stammkundschaft im Fliesenhandel meldet sich selten — dafür erinnert sich Reiter an Fliesen aus Häusern, die er vor 2010 ausgestattet hat, samt Namen. Und an Paare, die zehn Jahre später wiederkommen, nur mit anderen Partnern.
18:02 — Führung ohne Hierarchien
Wichtig ist ihm technisches Wissen im Verkaufsteam: Was kann diese Fliese, wo ist sie trittsicher? Dazu freie Hand, Schulungen als Ausflug und ein Klima, in dem Fehler gemeinsam gelöst werden. Seine Rolle beschreibt er als Dompteur.
21:16 — Der Ausgleich liegt zu Hause
Zwei Stunden Mittag oder früher gehen — Vorzüge, die er sich nimmt und die ihm gegönnt werden. Stress wird ihm von seinem Team weitgehend ferngehalten.
22:22 — Jäger aus Naturverbundenheit
Zum Jagdschein hat ihn ein Freund überredet. Es geht ihm nicht ums Schießen, sondern um die Zusammenhänge in Flora und Fauna — und um den Moment im Finstern auf dem Hochsitz, wenn der Wald wach wird.
24:35 — Hege, Abschusspläne und Absprachen
Reiter hat kein eigenes Revier, sondern einen Begehungsschein im Revier seines Bruders. Was geschossen werden darf, entscheidet der Pächter. Auf sieben Ansitze kommt etwa ein Abschuss — und wenn nichts passt, war es trotzdem ein guter Abend.
28:00 — Vom Ansitz auf den Teller
Bergen, Schlachthaus, Kühlung, nach zwei bis drei Tagen aus der Decke schlagen. Sein Bruder ist gelernter Metzger und übernimmt den Zerlegeteil.
31:33 — Darts als zweites Hobby
Ohne Verein, rein aus Spaß, mit eigenen Pfeilen. Und ein Plan für die Zukunft: einmal die Darts-WM live sehen.
33:26 — Was er weitergeben würde
Der Weg übers Herz, dann übers Hirn. Wer nicht mit dem Herzen hinter dem steht, was er tut, gibt irgendwann auf — und wird nicht der, der er werden könnte.


