Günther Drumm – Drumm Elektrotechnik
Manche Menschen können einfach nicht stillsitzen. Günther Drumm ist so einer. In Folge 4 von „Mensch Eller!“ spreche ich mit dem Elektroinstallationsmeister aus Winzer über das, was einen ruhelosen Menschen antreibt.
Drumm hat über Jahrzehnte seinen eigenen Betrieb aufgebaut. Drumm Elektrotechnik im niederbayerischen Iggstetten arbeitet heute für private, gewerbliche und industrielle Kunden — von der Elektroinstallation im Neubau über Haus- und Kommunikationstechnik bis zu Smart Home, Wallboxen und Elektroprüfungen.
Der eigene Betrieb
Was es heißt, jahrzehntelang selbstständig zu sein: Verantwortung für Mitarbeiter, Technik, die sich alle paar Jahre neu erfindet, und Kunden, die einen anrufen, wenn es brennt. Drumm erzählt, was ihn dabei gehalten hat.
Zwischen Reitplatz und Schießstand
Neben dem Betrieb hat Drumm zwei Leidenschaften, die volle Konzentration verlangen: den Pferdesport und das Sportschießen. Zwei Disziplinen, in denen es aufs ruhige Auge und die Beherrschung des eigenen Körpers ankommt.
Wann kommt so einer runter?
Betrieb, Pferde, Schießstand — die Frage drängt sich auf. Ein Gespräch über Antrieb, Disziplin und darüber, was das alles zusammenhält.
Ausschnitte aus dem Gespräch
Worüber wir gesprochen haben
00:00 — Ruhelos
Stefan Eller besucht Günther Drumm bei der Firma Drumm Elektrotechnik. Drumms Selbstbeschreibung in einem Wort: ruhelos. Was er zu schnell beherrscht, verliert für ihn den Reiz — deshalb sucht er sich Hobbys, in denen Perfektion nicht erreichbar ist.
01:53 — Warum funktioniert das?
Schon als Kind hielten Weihnachtsgeschenke selten bis zum zweiten Feiertag. Wenn das ferngesteuerte Auto mit drei Volt schnell fährt — was passiert dann mit sechs? Der Großvater ließ ihn früh machen, auch weil das Fahrrad ständig kaputt war und es keinen Service gab.
03:33 — Vier Frauen im Haus
Ehefrau und drei Töchter. Die älteste hat das Elektrohandwerk gelernt, ihren Meister gemacht und ist heute in Österreich selbstständig in Planung und Ausführung. Die mittlere leitet den Personalbereich eines größeren Unternehmens, die jüngste arbeitet als operationstechnische Assistentin in der Schweiz.
07:28 — Darts bis in die zweite Bundesliga
Vom 17. Lebensjahr bis über 50. Anfangs ging es ums Geld: Mit Darts verdiente er mehr als die 345 Mark Lehrlingsgehalt. Später um die mentale Seite — werfen können viele, es im entscheidenden Moment umsetzen wenige.
11:05 — Pferde: Ein Freund, mit 15
Ein Familienfreund mit einer kleinen Reitanlage brachte ihn zum Pferdesport. Was ihn fasziniert: Pferde kalkulieren nicht. Sie mögen dich oder sie mögen dich nicht.
12:36 — Vom Springreiten zum Fahrsport
Beim Springen waren seine Grenzen schnell erreicht — er ritt, wie er selbst sagt, nur auf der Qualität seines Pferdes. Also Wechsel zum Fahrsport und zur Vielseitigkeit: Dressur, Marathon und Kegelparcours mit demselben Partner Pferd.
15:26 — Der Beifahrer
Tochter und Schwiegersohn fuhren bis in die internationale schwere Klasse, der Schwiegersohn bis zur Weltmeisterschaft. Drumm war Logistiker und Beifahrer — Navigator auf dem Wagen, ein Job, für den man Herzblut braucht.
18:04 — Warum er den Leistungssport beendet hat
Der ehrlichste Abschnitt des Gesprächs. Drumm sagt: Im Leistungssport mit Pferden kommt eine Komponente zu kurz — die Rücksicht auf das Lebewesen. Man riskiert die Gesundheit des Tieres, und wer etwas anderes behauptet, lügt. Ihm ist aufgefallen, dass er selbst von „Pferdematerial“ sprach. Vor etwa drei Jahren hat er aufgehört.
22:28 — Traditionsfahren
Was er stattdessen gefunden hat: historische Kutschen, Oldtimer-Rundfahrten mit Pferden. Seine Lieblingskutsche kommt aus Kanada. Bewertet werden Zustand, Geschirr, Kostüm und Präsentation — Richter aus England und Belgien, jeder mit eigenen Maßstäben. Drumm gibt zu, das anfangs unterschätzt zu haben: Er sammelte genug Fehlerpunkte für drei Turniere.
26:32 — Schießsport
Dieselben Parameter wie beim Darts, mentale Sache. Am meisten Zeit verbringt er nicht mit dem Training, sondern mit dem Wiederladen — er muss wissen, warum etwas so funktioniert. Seine Vorliebe: Unterhebelrepetierer, für ihn die faszinierendste Waffe von der Funktion her.
31:55 — „Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört gut zu sein“
Der Leitspruch auf der Firmenwebsite ist keine Floskel. Drumm hat ihn mit zwölf im Büro eines Geschäftsführers gelesen, bei dem seine Mutter Chefsekretärin war. Er ist ihm nie aus dem Kopf gegangen. Ursprung: Philip Rosenthal.
33:37 — Gewinnen wollen
Drumm nennt es selbst eine furchtbare Eigenschaft: Er spielt den Ball dahin, wo seine Frau nicht steht. Beim Kartenspiel dasselbe. Seit über dreißig Jahren ein Thema — inzwischen mit einer überraschenden Wendung beim Tennis.
37:38 — Elektriker wider Willen
Er sei nicht aus Leidenschaft Elektriker geworden. Realschulabschluss mit einem Zeugnis, das er selbst als katastrophal beschreibt: gut in Mathematik und Physik, im Rest nicht. Jahrgang 1966, geburtenstarker Jahrgang, kaum Lehrstellen. Die Polizei hätte ihn genommen — die Mutter besorgte das Vorstellungsgespräch beim Elektrobetrieb.
40:26 — „Du warst eine stinkfaule Sau“
Das gesamte Vorstellungsgespräch bestand aus einem Satz des Chefs: Er habe drei Monate Zeit zu zeigen, wer er sei. Drumm brauchte die Probezeit nicht. Nach einem Monat kam der Chef vorbei, klopfte ihm auf die Schulter — das erste Mal, dass er auf etwas stolz war.
41:37 — Die erste Entscheidung
Im März meldete sich die Polizei doch: 1.000 Mark statt 345, dazu Führerschein. Drumm blieb — weil ihm sein Chef eine Chance gegeben hatte.
43:11 — Meister mit 40.000 Mark aus eigener Tasche
Dreieinhalb Jahre Lehre mit Verkürzung, danach direkt zum Meister angemeldet, zwei Jahre Wartezeit wegen Mindestalter. Vollzeitschule, Lohnausfall, Kosten über einen Kredit vom Arbeitsamt. Das erste Mal, dass er in der Schule richtig aufgepasst hat.
48:14 — 1993: die eigene Firma
Nach sechs bis sieben Jahren im Betrieb. Zuerst Küchen und Kleinaufträge für einen Elektrogroßhandel, dann die ersten Bürogebäude in München. Entscheidend waren die Hausmeister: Wer mit dir zufrieden war, empfahl dich weiter. Zwei Mitarbeiter sind seit über dreißig Jahren dabei.
52:08 — Gewerblicher Umbau, just in time
Der Kern des Geschäfts: Büroumbauten von der Beleuchtung bis zur Netzwerkverkabelung. Neubau und Sanierung nur am Rand. Was Drumm daran mag: Man wächst mit denselben Trockenbauern und Installateuren zusammen, bis der Architekt fast überflüssig wird.
56:07 — Was besser geworden ist
Die Anerkennung des Handwerks. Es gab Zeiten, da wurde auf Handwerker herabgeschaut — das hat aufgehört.
57:44 — Und was schlechter
Der Nachwuchs. Drumms These: Das Bild vom Handwerk wird in der Kinderstube kaputtgeredet. Öffentlich heißt es, Handwerk habe goldenen Boden — zu Hause dann: Du gehst mir nicht auf den Bau. Er legt sich auch mit Berufsschullehrern an, die Gesellen raten, Techniker zu machen, statt „ein Leben lang Schlitze zu stemmen“.
1:02:18 — Bewerbungsgespräche heute
Die Mutter sitzt daneben. Auf zehn Fragen kommt achtmal „Ich weiß nicht“ — im Lebenslauf steht, der größte Wunsch sei, Elektriker zu werden. Inzwischen von der KI übersetzt und ohne Rechtschreibfehler.
1:05:18 — Ein Beruf, der zu groß geworden ist
Drumms Vorschlag: Das Berufsbild Elektrotechnik gehört gesplittet. Nicht jeder muss Steuerungen programmieren — aber Kabelverlegesysteme sauber montieren ist auch eine Leistung. Und gelernt wird das beim Kunden, nicht in der Akademie.
1:09:56 — Die Geschichte, die ihn am meisten berührt hat
Nach dem Platzen der Bankenblase brachen die Aufträge weg. Drumm rief seinen Einkäufer bei einem großen Auftraggeber an und sagte offen, dass es schlecht aussieht. Die Antwort: Fahren Sie durch alle Objekte, schreiben Sie auf, was gemacht werden könnte, und schicken Sie es rein. Später, vor dem Urlaub: „Entscheidungen nach eigenem Ermessen.“ Solche Auftraggeber, sagt Drumm, sterben aus.
1:13:15 — Als 15.000 Mark Schaden entstanden
Ein Monteur baute einen Kurzschluss, eine ganze Abteilung stand still, die Versicherung zahlte nicht — in der Anfangszeit ein schwerer Schlag. Der Auftraggeber ließ ihn den Betrag über die nächsten Aufträge abarbeiten.


