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Jürgen M. Steinle – Kanzlei Steinle

Ein Anwalt, der in Deggendorf längst eine feste Größe ist: Jürgen M. Steinle, Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht sowie für Verkehrsrecht, ist zu Gast in Folge 2 von „Mensch Eller!“.

Steinle ist gebürtiger Deggendorfer, Jahrgang 1977. Nach dem Jurastudium in Frankfurt und Passau und dem Referendariat im Bezirk des OLG München — mit Stationen am Landgericht und bei der Staatsanwaltschaft Deggendorf — gründete er Anfang 2006 seine eigene Kanzlei. Heute betreut er mit seinem Team Mandantinnen und Mandanten aus Deggendorf und der Region.

Wie man Anwalt wird

Im Gespräch erzählt er, wie er zum Anwaltsberuf gefunden hat — und warum dabei gute Schulfächer und sprachliches Gespür mehr zählen als jedes Klischee über den Beruf.

Wenn Paragrafen persönlich werden

Miete, Verkehr, Arbeit: Themen, die nüchtern juristisch klingen. Im Alltag geht es dabei aber schnell ans Eingemachte — um Wohnen, um Mobilität, manchmal um die eigene Existenz. Steinle beschreibt, was ihn auch nach knapp zwei Jahrzehnten eigener Kanzlei an dieser Arbeit fasziniert.

Über die Kanzlei Steinle

Die Kanzlei Steinle in Deggendorf berät außergerichtlich und vertritt vor Gericht, mit Schwerpunkten im Miet- und Wohnungseigentumsrecht, im Verkehrsrecht einschließlich Bußgeld- und Verkehrsstrafsachen sowie im Arbeits- und Vertragsrecht.

Ausschnitte aus dem Gespräch

Worüber wir gesprochen haben

00:00 — Im Stuhl des Mandanten
Stefan Eller besucht Jürgen Steinle in dessen Kanzlei — die beiden sind alte Schulkameraden. Erste Frage: Wie fühlt es sich an, die Rechte anderer zu vertreten? Steinles Antwort: Der Anwalt ist ein Übersetzer zwischen Mandant und Justiz.

01:40 — Zwei Standbeine: Verkehrsrecht und Immobilienrecht
Verkehrsrecht reicht von Trunkenheitsfahrten über Verkehrsunfälle bis zum Entzug der Fahrerlaubnis — man ist in jeder Verfahrensordnung unterwegs. Das zweite Feld ist das Immobilienrecht mit Miet-, Gewerbemiet- und Wohnungseigentumssachen. Alles andere gibt Steinle bewusst an Kollegen ab.

03:10 — Was ein Fachanwalt ist
Nach beiden Staatsexamen folgt die Fachanwaltsausbildung: Theorieteil plus Nachweis von 120 bis 150 bearbeiteten Fällen. Einen „Allgemeinanwalt“ wie den Arzt für Allgemeinmedizin gibt es nicht — jeder Volljurist könnte theoretisch jedes Rechtsgebiet bearbeiten.

05:30 — Das Recht ändert sich täglich
Ob durch Rechtsprechung, Gesetzgeber oder EU: Es passiert ständig etwas. Deshalb die Spezialisierung — alles im Blick zu behalten ist schlicht nicht möglich.

06:05 — Fortbildungspflicht
Für den Anwaltstitel selbst gibt es keine verpflichtende Fortbildung. Für den Fachanwalt schon: jährlich nachzuweisende Stunden. Früher ein Wochenende in München, heute meist online und in kleinen Portionen.

08:10 — Frankfurt, Passau, Freischuss
Gebürtiger Deggendorfer, Gymnasium in Deggendorf, dann vier Semester Jura in Frankfurt am Main — der Liebe wegen auch. Danach vier Semester Passau und das erste Staatsexamen im Freischuss nach acht Semestern statt der regulären neun.

09:40 — Referendariat: Richter, Staatsanwaltschaft, Landratsamt
Zwei Jahre staatliche Ausbildung mit festen Stationen. Die frei wählbare Station absolvierte Steinle bei einem Anwalt — da wusste er schon, wohin es gehen sollte.

12:50 — Sechs Jahre bis zum ersten Gehalt
Vier Jahre Studium, zwei Jahre Referendariat. Das größte Manko des Berufs: Es dauert lange, bis man wirklich Geld verdient.

13:40 — Viel lesen, und zwar gern
Wer sich nicht in juristische Probleme eingraben mag, wird damit nicht glücklich. Steinles Vergleich: Ein Fall kann spannend sein wie ein Krimi — aber nur, wenn einen das Genre interessiert.

15:40 — Kein Kindheitstraum
Als Kind will man Feuerwehrmann werden, nicht Jurist. Die Entscheidung fiel in der 11. oder 12. Klasse. Was hilft: ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden, Formulierungstalent, Deutsch und Logik.

18:40 — Der Anwalt in der Familie
Bei Problemen ist er der erste Ansprechpartner — quer durch alle Themen. Und: Der Anwalt ist zugleich Unternehmer und braucht den Blick fürs Wirtschaftliche.

20:12 — Zeit, Familie und ein Vollzeitjob
Den Teilzeit-Anwalt gibt es nicht. Was hilft: Spezialisierung, weil die Fälle dann schneller von der Hand gehen. Und ein Umfeld, das mitzieht.

21:54 — Wenn die Kanzleitür ins Schloss fällt
Steinle nimmt die Fälle nicht mit nach Hause. Über Mandate wird am Küchentisch nicht gesprochen — nötige Erholung, um am nächsten Tag wieder fit zu sein.

24:25 — Karate als Ausgleich
Seit dem Studium dabei, mit Pausen während Ausbildung, Familiengründung und Kanzleiaufbau. Seit sechs, sieben Jahren wieder regelmäßig, mit Gürtelprüfungen, aber ohne Wettkämpfe. Wer viel mit dem Kopf arbeitet, sollte etwas mit dem Körper machen.

27:00 — Was die Kinder mitbekommen
Elf und dreizehn Jahre alt. Ihre Vorstellung vom Beruf des Vaters: Er schreibt viel, und manchmal muss er ans Gericht.

27:54 — Das schönste Ergebnis: der Führerschein zurück
Im Verkehrsrecht geht es meist nicht um Straftäter, sondern um Menschen, die Angst um ihre Fahrerlaubnis haben. Wenn der Mandant nach der Verhandlung selbst nach Hause fahren kann statt sich abholen zu lassen — das sind die Momente.

30:41 — Richter, Staatsanwälte und das kleine Gericht
An kleinen Gerichten kennt man sich. Das gibt ein Gefühl von Sicherheit, weil man weiß, wie jemand tickt. An der Fallbearbeitung ändert es nichts.

32:01 — Würden Sie es wieder tun?
Ja — aber mit einem Vorbehalt. Der Beruf ist im Wandel, und wohin er sich in den nächsten zehn, zwanzig Jahren entwickelt, weiß Steinle nicht.

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